Gedanken zur Unverfügbarkeit der Welt

Die erste Geburt, schreibt Hannah Arendt, erfahren Menschen mit dem Hineingeborensein in das Bezugsgewebe von anderen Menschen und Dingen. Die Welt ist nicht per se gegeben; wir legen sie in Bändern im Dazwischen fest. Nicht im passiven Geborenwerden wird der Mensch zum Weltwesen, sondern erst im aktiven Leben findet die Möglichkeit von Freiheit statt. Dies bedeutet im Umkehrschluss: Ohne das tätige Ausleben der menschlichen Weltwesenheit erleidet der Mensch einen erheblichen Erfahrungsschwund. Er ist auf sich selbst zurückgeworfen, verlassen von anderen Menschen, von der Welt und von sich selbst bleibt er über. Er ist unfrei ohne Bühne, webt keine Fäden mehr.

Eine Umkehr zur primitiven Feindseligkeit der Welt passiert, die Camus als moderne Grunderfahrung des Menschen bestimmt. Die Welt ist dicht; zu dicht, um sie zu durchdringen. Das Absurde wird zum einzigen Band zwischen Mensch und Welt, dann, wenn alles nichts mehr sagt, nichts mehr bedeutet.

Gerade weil es die größte Angst des modernen Menschen sei, schreibt Rosa, dass diese nicht mehr antwortet, streben Menschen danach, die Welt in Reichweite zu bringen, sie verfügbar und beherrschbar zu machen. Das Absurde dabei: gerade in dem Versuch der Verfügbarmachung entzieht sich Welt, sie verstummt.

Ist es das Gefühl fehlender Selbstwirksamkeit, frage ich mich, das eine Berührung deshalb vereitelt, weil keine eigene aktive Antwort erfolgen kann? Ist es die dabei entstehende Aggression, die Wut über diese fehlende Responsivität, die Menschen in Aneignungszwänge drängt? Der Konformismus des Gesellschaftlichen untergräbt Neuanfang und Freiheit, er umgeht die Risiken der Unabsehbarkeit;

Dennoch liegt ein stummer Schrei nach Anverwandlung in der Welt. Er ruft nach Möglichkeiten, die  andere Formen von Welt versprechen, doch die Wände um uns sind meterhoch; wir haben sie in jedem Dazwischen aufgestellt.

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