homo comparatio

Menschen sind Tiere, die stets Vergleiche anstellen. Für die einen war früher alles besser, für die anderen war es nie gut, aber alles soll trotzdem so bleiben wie es ist; Wieder andere vergleichen Bananen mit Birnen und den Geschmack von Wald- mit Billa-Erdbeeren, die – im Vergleich zu früher – auch immer teurer werden.

Auch das Eis hat einmal nur drei Schilling gekostet , sagt A. und ergänzt, dass die Eispreise in den vergangenen 60 Jahren durchschnittlich alle drei bis vier Jahre erhöht wurden. Rechnet man die Teuerung des heutigen Cremissimo-Bechers sämtlicher Geschmacksrichtungen der letzten 60 Jahre konsequent durch, so ist sein Preis auf 780 Prozent angestiegen.
Weisst du, dass 780 € brutto auch nur 662 € netto sind, frage ich
und dass 662 der Area Code der Memphis Metro Area ist
und Memphis eine grausliche Zigarettensorte ist
und ich schon lange nichts mehr geraucht habe
gemessen an den Umständen
ist alles relativ, sagt A und ich denke darüber nach, dass bei der Grammatik-Klausur verhältnismäßig viele Relativsätze zum Einsatz kamen.

Was mich allerdings bedeutend mehr beschäftigt als konkrete Vergleiche zweier voneinander abgegrenzter Dinge, ist die Anordnung von Abstraktem, das miteinander verschmilzt. Wir: können über alles reden (sagst du)
in mir überschlagen sich die Präfixe zu einem Magen-Darm-Katharr.
Ich winde mich, während
ein Aus– sich über ein Zu- zieht,
ein Wider- an einem Ein– vorbeidrängt,
verrenke mich, um das Reden
von seinen Anhängseln fernzuhalten.

Schließlich rede ich dir doch noch zu und du mir nichts mehr aus,
damit wir uns beide nichts mehr einreden; es ist schwer,
sich da wieder herauszureden (finde ich)
und deshalb rede ich so dahin, was doch eine zeitlang dauert,
weil du mich meist ohne Widerrede akzeptierst.

Wäre ich ein Eis, ich wäre eine gemischte Kugel
aus ein- und derselben Sorte.

Hinterlasse einen Kommentar