Neuerdings arbeite ich an meinem HARA.
Hara: kennst du? (und: hast du gewusst, dass es einen Schmetterlingswels gibt, der sich Hara hara nennt?)
Vermutlich kennst du Harakiri : Selbsttötung durch Bauchaufschlitzen (alternativ auch Kappuku: 割腹, „Aufschneiden des Bauchs“, oder Tofuku: 屠腹, „Schlachten des Bauchs“), eine in Japan besonders in der Feudalzeit praktizierte Todesart, mit dem Zweck, durch den eigenen Suizid seine Ehre wiederherzustellen.
Aber, höre und staune: Es gibt noch weitere Todesarten, die ihre Aufmerksamkeit verdienen. So zum Beispiel Seppuku. Zumal die Ehre beim Harakiri nur dann besonders gut wiederhergestellt werden kann, wenn man dabei weder das Gesicht verzieht noch ein Seufzen oder Stöhnen von sich gibt, besteht die Möglichkeit, sich eine zweite, sympathische Person zur Seite zu stellen, die sich, sobald die Schmerzgrenze erreicht wird, über deinen Kopf beugt und dir einen leichten aber tödlichen Hieb versetzt. Anwesende Protokollanten erstellen danach eine schriftliche Bewertung, die darüber entscheidet, ob das Ritual aufgrund korrekter Ausführung und würdevollen Verhaltens als offizielles Seppuku anerkannt wurde.
Aber wenn du ein ehrenoser Bastard bist, dann muss ich dich leider dennoch enttäuschen; diese besondere Todesart ist den Samurai vorbehalten.
Aber zurück zum HARA. Der Begriff Hara kommt in der Zen Meditation immer wieder vor und bezeichnet nach japanischem Verständnis die Mitte des Körpers, eine Gegend rund um Magen und Unterleib, die meist wenige Finger unterhalb des Nabels verortet wird. Doch der Begriff bezeichnet mehr als eine reine Körpergegend. Hara meint vielmehr ein wichtiges Prinzip der Einheit von Körper und Geist. Dabei gilt die Körpermitte, das Hara, als Sitz der Energie im Körper und spielt DIE Rolle dabei, kraftvoll zu üben oder achtsam zu leben. HARA IST, das Zentrum für Aktivität und den innersten Kern deiner Persönlichkeit.
Der heutige Mensch, so schreibt OSHO, zeigt nur selten das Bild einer im rechten Verhältnis von Spannung und Lösung stimmig schwingenden Ganzheit. Er lebt vielmehr im Wechsel von Verspannung und Auflösung.
Obwohl ich Osho für einen selbstgefälligen Wichser halte, muss ich zugeben: damit hat er nicht unrecht. Besonders mit den darauf folgenden Worten:
Auch Entspannungsübungen ändern daran meist nichts. Die ihm in der Übung faktisch zuteil werdende Lösung wird nur als eine ihn erfrischende Kompensation der ihn zerschleißenden Verspannung genützt und genossen.
Es scheint, als würde es dem westlichen Menschen Genuss bereiten, sich zu schinden und dabei möglichst oft Kund zu tun, wie sehr.
Ein Versuch, die eigene Ehre wiederherzustellen?
Harakirineid?
Wir quälen uns gerne; verlagern unseren Schwerpunkt (Brust raus, Bauch rein), führen ein Cornettodasein, oder haben einen schon lange eingesackten Bauch mit Akademikerbuckel, einen leeren Leib, über den der Schädel bereits die Herrschaft übernommen hat, kippend, wie eine Winkekatze auf den Schultern wackelnd: ein Schädel als Damoklesschwert.
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