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Mein Schädel: ein Damoklesschwert, also
mein akademischer Leib: der Schmiss?
Um 1800 war Hieb- und Stoßfechten an deutschen Universitäten aufgrund der weniger sichtbaren Schmisse (trotz höherer Lebensgefahr) besonders bei Theologiestudenten verbreitet. „Hat ein Schmiß gesessen, ist der Tusch vergessen“, hieß es, womit gemeint war: ein guter Schmiss ist die Beleidigung der Mensur wert.
Abgesehen davon, dass diese Sache der Ehre eine männliche Angelegenheit ist, ist anzumerken, dass 80 Prozent der österreichischen Burschenschafter in den 1940er Mitglieder der NSDAP waren und dass 2018 noch rund 10% der Nationalratsabgeordneten der FPÖ einer Burschenschaft angehören und wenn D. beim Akademikerball aus Protest den Abzess am After dem deutschen Burschenschafter bevorzugt, eine Nacht hinter Gittern folgt.
Geht es dem Samurai beim Harakiri um das Wiederherstellen der Ehre, wobei der Tod in Kauf genommen wird, so scheinen Burschenschafter eine andere Definition von Ehre zu besitzen. Der Schmiss ist kein im Inneren des HARAs wirksamer Tod (zu feig); er wird, wohl wie alles andere im Westen, nach oben verlagert: mitten in die Fresse.
Ein echter Samurai, so sagt OSHO, beherrscht sein Schwert, aber benutzt es nicht. Es ist selbst das Schwert. Dabei wird das Schwert zum Spiegel und Ausdruck davon, wie der Mensch zu sich und zur Welt steht. Japanischer Schwertkampf ist ein Weg des Zen, eine Schulung von Körper und Geist, bei dem sich, nach intensivem Training, Grenzen verschieben können, eine Art der Verschmelzung mit der Umwelt durch das Einswerden mit dem Schwert geschehen kann. Oberste Maxime bleibt dennoch, es gar nicht zum Kampf kommen zu lassen, der im Sinne von Zen eine Eskalation darstellt und ein Durchbrechen von Einheit und Ausgeglichenheit bedeutet.
So beeindruckend es sein mag, einen Samurai beim Schwertkampf zuzusehen oder an der Präsenz und Ruhe eines Menschen mit entwickeltem HARA Teil zu haben – der japanische Weg, wie ihn Suchende gerne bezeichnen, ist eine Chimäre. So ist die Selbstmordrate in Japan mit 60 Prozent höher als der weltweite Durchschnitt, was bedeutet, dass durchschnittlich 70 Menschen täglich Selbstmord begehen (darunter eine beunruhigende Zahl von Kindern).
Während also in Österreich auch 2024 wieder brauner Dreck aus der Hofburg tanzen wird, wird man sich in Japan weiterhin darum bemühen, die kollektive Arbeitswut (eine Weiterentwicklung von Harakiri?) zu bremsen. Schließlich sollen die Japaner nach der Arbeit noch Zeit dafür haben, die Wirtschaft des Landes anzukurbeln.
Was das alles noch mit HARA zu tun hat fragt man sich; ich gehe weiter auf Spurensuche […]
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