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Als läge etwas
auf der Zunge als läge
ein Geschmack als lägen
Knospen als würde die Lebenslüge
größer werden die Erinnerung
ausfransen an den Rändern
Die Realität wird umso größer, je mehr Worte wir haben, um sie zu beschreiben, doch, was
wenn die Worte wuchern, wenn ihre Ableger
sich bösartig in unsere Organismen streuen,
wenn wir sie
nie
wieder
loswerden?
das Ungesagte untergräbt
meine Sprache
baut keine Brücken
in einer Welt, in der Bomben fallen
unterminiert mich täglich
das fehlende
Wort;
Vorstellungsbilder lassen sich verändern, Erinnerungen in neue Bahnen lenken, Gedankenskripte überschreiben, doch meine Sprache beschreibt meine Welt meist mit demselben Vokabular.
Im Appendix zu 1984 findet sich die linguistische Theorie von Neusprech. Der Wortschatz, basierend auf der englischen Sprache, wird von den Sprachplanern in drei Teile unterteilt. Das A-Vokabular besteht aus Alltagswörtern, deren Bedeutung eng definiert ist. So ist es nicht möglich, sich mit dem A-Vokabular zu Themen zu äußern, die nicht mit dem Alltagsgebrauch zu tun haben. Selbiges gilt für das B-Vokabular, das politischen Zwecken vorbehalten ist und zugleich dafür konstruiert wurde. Das C-Vokabular ist als eine Ergänzung zu betrachten, die aus technischen und wissenschaftlichen Fachausdrücken besteht. Mit Neusprech als einzigem Verständigungsmittel würde ein neu aufwachsender Mensch, so die Fiktion, frei von den bisherigen Bedeutungen der Wörter sein. Es wäre zwar nicht gänzlich unmöglich, abweichende Meinungen äußern, aber es wäre unmöglich sie zu entwickeln oder auch zu begründen.
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