Mit 16 habe ich einen Essay über Bildschirme und Puzzleteile geschrieben, den einzigen literarischen Text, den ich anderen Menschen zu Jugendzeiten je vorgelesen habe. Mit 23 habe ich den Text vor mir selbst versteckt und zudem eine Menge an eigenen autobiografischen Texten entsorgt, im Glauben an die heilsame Magie von Abschiedsritualen;
Heute frage ich mich: Was wäre, wenn diese Texte noch da wären, hier vor mir. Würde ich sie wieder lesen, würde ich wieder das fühlen, was ich beim letzten Lesen der Zeilen gefühlt habe? Warum habe ich manche Texte vernichtet, während ich andere in ziervoll eingebundenen Heftchen sorgsam aufbewahre?
Es gibt diese Art von Text, der anders ist als die anderen, der mich beängstigt. Es ist ein Text, der Schreibende so unwiderruflich an die Worte bindet, dass unklar bleibt, ob das Wort zu Fleisch geworden oder die Schreiber*in sich selbst im Text verflüssigt hat. Eine unabrückbare Bedeutung blockiert alle Zwischenräume, jede Spatie ist besetzt. Es gibt keine Leerräume mehr, in denen Leser*innen pausieren können, wenn ihnen der Atem ausgeht, gehetzt von den Worten, die ihnen den Garaus machen wollen.
Ist es möglich, frage ich mich heute, sich als Festgeschriebene wieder aus dem Text zu befreien?
ich möchte den text
sprengen, die worte
aufbrechen, das festgeschriebene
zurückholen, was sie von mir
genommen haben, ihre leerstellen
neu befüllen
…
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