Kein Neujahrstext

Ich schreibe keinen
Neujahrstext, weil
künstliche Zäsuren
uns nur noch enger
verzurren klingt wie
Surren in meinem Kopf
(schade, dass der Wind
nicht durch meine Ohren
hindurch bis ins Hirn)

manchmal höre ich die Glocken
länger läuten (ist das normal)
jeden Morgen wenn der Wecker
den Trauermarsch bläst bin ich
ein fröhlicher Mensch (Oh du)

künstliche
Zäsuren sind für mich
Maschendraht
Zäune schützen
uns nicht
vor dem Neujahr
schreibe ich keinen Text
weil die Löwen
sich auch von selbst
aus dem Yardong fressen.

Ich warte auf:
das Blut
die Worte
die Stille
das Essen
die Hornhaut an den Finger
Kuppen, von denen ich
das Rauschen
aus der Ferne

können wir die Final Playlist
nochmal hören: come on
(ein Countdown)
we are leaving together
So many light years to go

Worauf wartest du noch?
Ich warte: auf das Bauchweh
nach dem Raclette
die weichen Kinderwangen
gefüllte Herzen oder auch
calamari (gestern gegessen)

Ich schreibe keinen Neujahrstext
weil die Jahre sich längst
in mich geschrieben haben
(ein Überschreiben ist zu laut
in der stillen Zeit)

Kann dieser Text nicht
endlich enden, schreibe ich
doch, weil alles immer enden
muss, zünde ich keine Worte
im Böllerverbot spritze ich
keine Silben wie Sterne
Frizzante (zurzeit trinke ich
lieber Likör)

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