Eine der wohl zentralen Eigenschaften von menschlichen Personen ist die Fähigkeit, frei und verantwortlich zu handeln. Die Fähigkeit hat eine enorme Bedeutung für unseren gesamten Alltag. Ihre Vermittlung ist ein zentrales Ziel der Erziehung, und wer dieses Ziel noch nicht erreicht hat, den bezeichnen wir als ‚unmündig‘.
unmündig;
ein leben ohne
mund: stummgestellt
ein leben
ohne
das fließen ins allumfassende
meer/ mündungslos
ziellose wege/ eine geschichte
ohne ausklang.
Was wir unter Freiheit verstehen, muss folgenden Minimalkriterien entsprechen
- als frei bezeichnet kann werden, was nicht unter Zwang und äußerer Determination zustande kommt (Autonomieprinzip)
- was nicht zufällig ist; die „freie“ Person ist der/die Urherber:in (Urheberschaftsprinzip)
Man kann diesen Prinzipien sehr leicht gerecht werden, wenn man Freiheit als Selbstbestimmung versteht. Ein Gefühl der Determination stellt sich dann ein, wenn sich die eigenen Wünsche und Bedürfnisse fremden Anforderungen unterordnen müssen.
Können wir uns zur Unfreiheit bekennen?
wir sind zur freiheit verurteilt, schreibt sartre,
wir können nicht –
nicht wählen/ radikale verantwortung;
zugleich ist freiheit
kein trip/ kein süßer
rausch, der dich trägt/ kein schillerndes
versprechen müheloser erlösung.
freiheit ist aufwachen um 6 uhr morgens
brennende augen im grellen licht der möglichkeiten.
und niemand reicht dir die hand.
Wenn wir den Schritt zur Autonomie wagen, treten zunächst Verunsicherung und Schuldgefühle auf. Zwar sehnen wir uns nach Freiheit, doch sind wir gleichzeitig auf vielfaltige Weise an die Macht gebunden, von der wir Achtung und Lob verlangen. So sind wir dazu verurteilt, gerade bei denjenigen nach Bestätigung zu suchen, die unsere wirklichen Bedürfnisse verleugnen.
wir sehnen uns nach freiheit
doch wir sind gebunden/ vielfältig
gebunden/ dazu verurteilt
bestätigung zu suchen
wo gehorsam gefordert wird
wo konformität
gefordert wird/ abhängigkeit
gefordert wird/ als preis
anerkennung
für liebe;
doch
die Schwachen sind nicht die, die leiden,
sondern jene, die Angst davor haben.
Im Leiden selbst liegt eine Kraft.
Im Schmerz spürst du die Wahrheit
die Verletzlichkeit, die lebendig macht.
Ist das ein Plädoyer für Masochismus,
ist Freiheit die Lust an der Qual?
Ich bin keine Schmerzflüchtige
kein aufpoliertes
Gesicht/narbenfrei/ keine Beschönigung
der Umstände
der Aufstände
der Zustände
Ich bin der Stachel des Fremden im eigenen Fleisch.
der stachel des fremden
ist schmerz;
es ist der schmerz,
wenn wir merken: die welt
passt nicht in unsere
ordnung
sie fügt sich nicht
kratzt an unserer oberfläche
öffnet risse/ macht uns
verwundbar;
der stachel ist unser ursprung
die achse, um die wir uns drehen
24/7 schmerzhaft
getrieben um uns selbst.
wir sind die aufgeriebenen
das fremde
ruft uns an –
wir sind seine götter
ohne ihm rede stellen zu können.
( kursive Passagen stammen aus Michael Pauel, Was ist der Mensch/Arno Gruen, Der Verrat am Selbst, Waldenfels Der Stachel des Fremden.)
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