Wenn junge Menschen sterben, ist das immer tragisch, aber wenn junge Menschen sich selbst das Leben nehmen, dann ist es eine totale Katastrophe.
Zu Beginn der Woche hat sich die Tochter von K. und A., die eigentlich nun ein Sohn ist, weil vor kurzem Transition, das Leben genommen und ich habe Millionen Fragen, die alle bei der einen enden: Warum?
Ich habe seit jeher eine Abneigung gegen Menschen, die den Wunsch nach Selbstbestimmung soweit treiben zu behaupten, jede/r hätte eine Wahl (und dann aber meist auch gegen Sterbehilfe sind, weil die Wahl ja nur Lebensentscheidungen inkludiert und man ist dem Leben schließlich verpflichtet und hat ja immerhin die Wahl tapfer zu sein, weil es dafür vermutlich Karmapluspunkte gibt)
Ja, vielleicht hat jede/r, im Sinne Frankls, die Wahl – eben im Falle des Festsitzens im Konzentrationslager seinen/ihren Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen – doch ich lehne den Gedanken ab, dass die Seele sich die Inhaftierung als Erfahrungswert gewählt hat; es ist ein priviligierter Gedanke von selbstgefälligen oder sehr verzweifelten Menschen.
Leben ist leiden. Menschen leiden, Menschen leiden furchtbar, Menschen leiden so, dass sie die Welt kaum mehr ertragen. Wir alle – und das soll keine Beschwichtigung von Kriegsverbrechen sein – sind unsere eigenen Insassen. Doch manche haben zumindest ab und zu Ausgang und können Kraft tanken; andere nicht. Die Frage der Schuld ist, sofern du nicht RichterIn bist, in den meisten Lebenslagen die falsche, doch würde man sie stellen, so müsste man hier ehrlicherweise antworten: der Ausgang wahr ihr/ihm vom ersten Atemzug an versperrt.
Du siehst unzählige Erinnerungen aufpoppen, die aus Pietätsgründen weder ausgesprochen und noch weniger in einen Zusammenhang gebracht werden dürfen, so wurde man schließlich erzogen, du versucht eine Ordnung in deinem Kopf zu finden, in dem ohnehin schon davor so viele Warums standen dass der Platz, um irgendwo noch irgendwas zu ordnen, fehlt. Du atmest, du bewegst dich, du bewegst dich und du atmest , du scrollst Katzenbilder, du meditierst, du rennst, du konsumierst, du lässt dir Zähne ziehen, doch die Wurzel des Übels steckt tiefer.
Leben ist Loslassen, doch so oft entscheidest du nicht selbst, sondern das Loslassen wird zu einem Entrissen-werden. Du hältst vorsichtig die Hände hin, legst was rein und sagst dem Leben – hier, da, ich wäre ja ein bisschen bereit ein bisschen davon abzugeben, zu verändern, mal langsam drüber nachzudenken, oder: es hilft ja nix – und dann kommt dieses Arschloch von Leben und hackt dir die Hände ab, die du ihm hinhältst. Ist gerecht?
Wer hat denn gesagt, dass das Leben gerecht sein muss?, fragst du.
Wer sagt denn, dass es der Normalzustand ist, zufrieden zu sein?
Am Planeten Erde kämpfen wir all gegen die Schwerkraft, die uns letztlich unter die Erde zieht und ich habe eine Mords-Wut auf diese Welt, die immer weniger meine ist, aber halt irgendwie meine bleiben muss.
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