Essenz (unvollendet)

Die Vorstellung, Erinnerungen aus sich zu schneiden, ist brutal. Sie gleicht einer Selbstverstümmelung, zumal es nicht möglich ist, etwas in sich wegzunehmen, ohne einen Teil von sich dadurch zu beschneiden.
Du bist der Gewachsene.

Was ist die Essenz, frage ich mich. Was ist das, was ich bin, wenn ES oder ES oder ES nicht gewesen wäre, wenn ich alle Schichten von mir ziehen könnte, alle Abziehbilder, die Persona von mir weisen, mich ihrer entkleiden
und zu einem einzigen Loch werden, in das ich selbst falle,
um mir in die Augenzu sehen ( ein Kaleidoskop des Starrens);

Wurmlöcher sind keine interstellaren Abkürzungen,
sondern bloß die Spiegel der Raumzeit.

In den Zeiten meiner Erfahrung traumabedinger Dissoziationen habe ich vieles gelernt und vieles erlitten, das ich niemals wieder erleben möchte. Ich habe gesehen, wie fragmentarisch der Menschen sein kann, wenn die schlimmste Erinnerung, die ist, die fehlt und einen zugleich bestimmt. Ich habe erlebt, dass es Halt geben kann, das konstruierte Erinnerte zu sein, ein Mantel, den du dir umlegen kannst, um dich selbst zu verkleiden und zu wärmen, überhaupt körperhaft zu werden. Aber das wohl wichtigste, das ich mitnehme (wohin) ist: Symptome lügen dich an. Sie wollen dir glauben machen, sie hätten eine Frage an dich, auf die es eine Antwort gäbe, nach der du nur suchen, die du nur finden, dessen Schalter du nur umlegen müsstest (ein Licht geht auf) – doch sie selbst sind die Antwort auf eine falsch gestellte Frage.

Ist Leben die Kunst, die richten Fragen zu stellen? Ist es die Kunst, die Antworten zu (er)leben oder die Erkenntnis, dass es nie eine Trennung zwischen beidem gab?

Essenz ist
Überlagerung und Zerteilung,
Essenz ist
dunkle Quint zwischen den Elementen
die Lücke im Übergang der Jahreszeiten
im Leerraum zwischen den Atem
zügen,
sie ist
die kernlose Zwiebel in all ihren Schichten,
das tränende Auge und ihr Brennen
zugleich;


Hinterlasse einen Kommentar