Vollzugsanstalt Leben

Menschen, so schreibt der Soziologe H. Schmitz, leben in Situationen mit binnendiffuser Bedeutsamkeit, aus der sie alles Einzelne schöpfen; sie finden sich darin zurecht, indem sie Situationen als Konstellationen (Vernetzungen einzelner Faktoren) zu rekonstruieren suchen. Die vom Konstellationismus ausgehende Gefahr bestehe allerdings darin, im Alltag, im Leben, nicht mehr nur Situationen und Konstellationen zu bearbeiten, sondern sie zugunsten der Konstellation zu verkennen und zu verleugnen. Die gesamte Welt wird zu einer einzigen großen Konstellation fingiert, als ein gesamtes Netzwerk unterschiedlicher Faktoren angesehen. Dabei lasse sich streng beweisen, dass dieses Weltverständnis illusorisch ist.

New words, old story: Die Welt lässt sich nicht in ihre Bestandteile zerlegen ohne dabei zu etwas, das nicht die Welt ist, reduziert zu werden; die Summe ist mehr als die Zusammenfügung ihrer Teile.

Ein kognitionswissenschaftlicher Zugang zum Menschen schlägt vor, menschliches Verhalten als eine Antwort auf einen Problemlöseprozess zu verstehen. So wird beispielsweise Schreiben aus dieser Warte als ein in sich weiter zu untergliedernder Prozess betrachtet, deren Teilprozesse zu zergliedern und mit angemessenen Strategien zu bearbeiten (evidenzbasiert) zum Erfolg führt. Du trainierst, lernst Ideen zu finden, Texte zu gliedern und zu strukturieren, Kohärenzen auch dort herzustellen, wo es keine nie geben wird und deine LeserInnen argumentativ zu blenden. Ein gelungener Text ist ein Produkt guten Problemlösens, was den Gedanken inkludiert, dass der kürzeste und effizienteste Weg zu schreiben (zu handeln, zu leben) erlernt werden könne, aber auch die Annahme aufwirft, man könne sich sowohl Welt, Text als auch LeserInnen aneignen. Die vermeintliche Lebenskunst, der kürzeste Weg, ist in der Konsequenz ihrer Auschlüsse Barbarei (Blumberg).

Durch die Auflösung von Situationen in faktorielle Konstellationen machen wir Situationen bearbeitbar, zurechenbar und manipulierbar – durchaus Spezifika menschlicher Kultur.

Haben
wir Mut                                        zur
                                                      Lücke
                           zum
                           Fehler
oder                                             wollen wir
nicht                                            alle
                           Fehler
                           vermeiden


words don ‚t
come easy doch
wir bauen Sätze, um das Gefühl
der Macht über Worte
zu erlangen, die satzförmige Rede
ist ein ungeheures Machtmittel,
die durch Vereinzelung von Bedeutungen
Sachen als einzelne möglich macht;
Diffus bleibt dennoch immer
ein Bedeutungsüberschuss.

Das Leben ist eine Vollzugsanstalt, in der uns viel zu oft jeglicher Handlungsspielraum fehlt; entmenschlicht und entmächtigt, wirst du zum Vollstrecker der Regeln der Mächtigen, der Führungskräfte, die dir ihren Galgen umlegen, den du mit jedem Vollzug noch ein Stück enger um deinen Hals zurrst. Regel ist Regel ist lineare Geschlossenheit sozialer Interaktion. Erst dort, wo du bereit bist, dich auch gegen die Regel aufzulehnen, gewinnst du ein Stück weit dein Menschsein zurück.

Wo bin ich frei, indivduell zu handeln und wo muss ich nur mehr vollziehen? Wo werde ich selbst zur VollstreckerIn? Einfache Fragen, auf die die KI sofort eine empathische Antwort findet:

Der Hashtag „VollstreckerIn“ deutet darauf hin, dass du über Rollen nachdenkst, in denen Menschen Entscheidungen anderer umsetzen statt selbst zu bestimmen, sagt die KI und erklärt mir, in welchen Bereichen ich die größte Freiheit habe:

Typische Bereiche:

Ob du Regeln kritisch reflektierst oder einfach übernimmst
Wie du denkst und interpretierst
Welche Werte du vertrittst
Wie du mit Situationen umgehst

Ich lache die KI aus, weil ich mir denke, dass sie vollkommen ahnungslos und verblödet ist und lasse mir Hannah Arendt und Foucault (Fucko) empfehlen;

Large Languae Modelle werden mit riesigen Mengen an Text trainiert, zerlegen Texte in Tokens und lernen nach statistischen Mustern. Welche Wörter treten oft zusammen auf, kommen wahrscheinlich als nächstes, ein Token wird ausgewählt, ein nächster vorhergesagt. Was dabei allerdings flöten geht, ist der Kontext.

Was für die KI funktioniert, dehumanisiert. Du wirst in konstellativ reduzierte Formen des Handelns gezwungen, die von dir maschinelles Verhalten verlangen und dir dadurch Menschlichkeit nehmen. Check it out, weil du es wert bist:

Amtlicher Kriterienkatalog zur standardisierten Bestimmung des menschlichen Verwaltungswertes (MVW)
(Entwurf der Zentralstelle für Normierung sozialer Brauchbarkeit)

Bewertungsskala:
0 Punkte = schwer integrierbar in Strukturen
10 Punkte = voll bürokratiekompatibel



1. Befehlsgehorsam 🫡

Grad der Bereitschaft, Anweisungen ohne Nachfragen umzusetzen.

  • 0 Punkte – fragt „Warum?“
  • 5 Punkte – fragt gelegentlich nach
  • 8 Punkte – führt Anweisungen aus
  • 10 Punkte – führt Anweisungen aus und bedankt sich dafür

2. Proaktive Chefversorgung ☕

Fähigkeit, dem Vorgesetzten regelmäßig und ohne Aufforderung Kaffee zu bringen.

  • 0 Punkte – bringt keinen Kaffee
  • 3 Punkte – bringt Kaffee auf Nachfrage
  • 7 Punkte – erkennt Kaffeedurst frühzeitig
  • 10 Punkte – kennt Lieblingsröstung, Temperatur und Tassenposition

3. Regelabhängigkeit 📑

Grad der emotionalen Bindung an Vorschriften.

  • 0 Punkte – kann ohne Regeln leben
  • 5 Punkte – mag Regeln
  • 8 Punkte – braucht Regeln
  • 10 Punkte – sagt: „Ohne Regeln kann ich nicht leben“

Kreativität (google 4 K Modell – Kompetenzen für das 21. Jahrhundert; oder frag die KI) wird in Unternehmen zur Produktentwicklung gesucht, um blöden Menschen scheiß Produkte zu verkaufen, Kritisch denken darfst du, wenn du zuvor einen Aktenlauf zur Bewilligung deiner Auswirkung eingereicht hast, diskussionsbereit sein, solange das Ergebnis ins Protokoll passt.
Wenn du dich deines ureigenen Handlungsspielraumes bedienst, dich emanzipierst in deinem In-Bezug-Gehen zum Weltausschnitt, dem Gegenüber, bist du ihr Minenfeld, du erklärst den Krieg.



Hinterlasse einen Kommentar