Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein.
Dies Leben kommt mir vor als eine Rennebahn:
Der Tod läuft mit uns mit – ach! unsre Zeit vergeht,
Wie sich die Sonne tut von unsrer Welt entfernen.
(Gryphius, Alles ist eitel)
Es beginnt in etwa bei Kilometer zwei-komma-vierunddreißig,
das zeigt meine Smartwatch an, es beginnt
dort, wo die Äste des umgekippten Baumes
die Stirn der Welt tiefer hängen lassen.
Ich beuge mich, presse mich durch ihre Zornesfalten
als müsste ich mich unter der Zeit selbst ducken.
Angeweht von einem Geruch
wie Metall, wie nasse Erde
nach einem misslungenen Abschied.
Vermutlich ist bereits ein äußerlicher Zerfall sichtbar,
vermutlich treten bereits Flüssigkeiten aus Körper
öffnungen vermutlich sind es die
Gase, die ich rieche, der Kadaver
bleibt unsichtbar.
Der Zerfall trägt keine Uhr,
aber er kennt den Rhythmus
: verlangsamen, bücken, weiterrennen.
Die Fangarme der Verwesung lassen mich laufen –
sie greifen heute nicht
endgültig nach mir;
Nach Kilometer 6,37 schlafe ich
bei einer Dokumentation über Kunst
und Wahnsinn ein:

Meine Smartwatch vibriert, um mir mitzuteilen,
dass es an der Zeit wäre, wieder
in einen Aktiv-Modus zu wechseln.
Es ist 18:45, ich darf mir nichts mehr
wünschen, weil es nicht mehr 11:11 ist, dennoch zieht ein Flimmern wie Perseidenschauer
über mich (mein Kreislauf ? Ein Restlicht
des Traumes? ) : the circle of life

Aktiv-Modus.
Treibmodus.
Komm, sagt das Tier in mir.
Komm, wir müssen wieder gehen.
Der Stall brennt nicht (how can u sleep while our beds are burning), aber
es riecht schon nach Glut, nach nasser
Erde, nach Metall.
nach uns selbst.
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