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Gedanken zur Unverfügbarkeit der Welt
Die erste Geburt, schreibt Hannah Arendt, erfahren Menschen mit dem Hineingeborensein in das Bezugsgewebe von anderen Menschen und Dingen. Die Welt ist nicht per se gegeben; wir legen sie in Bändern im Dazwischen fest. Nicht im passiven Geborenwerden wird der Mensch zum Weltwesen, sondern erst im aktiven Leben findet die Möglichkeit von Freiheit statt. Dies…
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Farbtönen
Meine Blicke haben breitgefächerte Farben: ich lege meine Welt durch sie in Paletten fest. Das Orange als zarten Schleier, im braunen Blick badet der Gleichmut, mein Blick aus Indigoblau spannt ein Zelt der Melancholie über die Welt. Ab und an mische ich Töne mit deckendem Weiß, besonders dann, wenn Menschen sich grell vor mir aufziehen;…
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Enten stapeln
Du schätzt, dass der Strahl des Springbrunnens in etwa 11 Meter hoch ist;ich sage, ich schätze, dass es sich etwa um die Hälfte der von dir geschätzten Größe handelt. Du vergleichst: Wasserstrahlen mit Ameisenmenschen; ich vergleiche: Schilfwuchs mit der Höhe deiner Taille und frage dich, wie oft glaubst du, dass sich die Ente im Wasserstrahl…
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Weltenränder
Der Tag der Vernunft gebiert Ungeheuer;durch Nebelzonen ziehen Leiber als ein blasser Schein: wie Versprechen bröckeln Menschen und schweben Gespenster in Erdmündern; an Weltenrändern werden Wünsche zur Durchsicht aufgehängt; Bild: Alfred Kubin: Die Angst
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Seit es Corona nicht mehr gibt
Seit es Corona nicht mehr gibt, haben die Menschen wieder verlernt, Abstand zu halten. Es liegt die Vermutung nahe, dass es eine Sorte Mensch gibt, die danach trachtet, sich jeden zu Coronazeiten eingebüßten Millimeter wieder zurückzuholen. Ein Anschieben an der Kassenschlange, begleitet von einem warmen in-den Nacken-Schnauben, meint: gib mir meinen Lebensraum zurück, noch bin…